Meine Reisen 2020


Torfstiche Trebbin - wilde Seen, Wildkräuter und Tiere

 

An einem warmen Frühlingstag auf dem alten hölzernen Steg sitzen, das Gesicht der Sonne entgegengestreckt. Das Schilf neben mir raschelt leise im Wind, Bussarde stehen hoch oben in der Luft, Libellen tanzen wie kleine Elfen über die Wasseroberfläche. Es ist magisch.

 

 

 

Nachdem ich das Frühstück und meine Meditation abgeschlossen habe, gehe ich auf Entdeckungsreise um die Seen und durch den Wald.

 

 

 

Es ist mystisch, sich selbst überlassen und doch sind überall Wege und Spuren der Zivilisation. Einst ein Torfstichgebiet hat die Natur sich die Gräben längst zurück erobert. Aus dem nahen Fanggraben lief Wasser in die Stiche und so entstand ein Paradies für Tiere, Pflanzen und Angler.

 

 Die Seen ziehen sich entlang mehrere Ortschaften, wer Wasser- und Wildtiere beobachten will hat hier große Chancen. Schlangen, Frösche, Fische, Biber, Blesshühner, Wildgänse, Schwäne, Wasserspinnen, Wasserläufer, Bussarde, Rohrdommeln, Meisen, Käfer, Ameisen, Reiher, Störche, Libellen, die Fauna ist beeindruckend.

 

 

 

Mein Tipp: nehmt ein gutes Fernglas mit, gerade die Wildgänse sind sehr scheu.

 

 Die Landschaft selbst ist sehr vielseitig, Wasser und Schilf bewachsene Uferbereiche, kleine Buchten, in denen meist Angler ihrem Hobby nachgehen, urige Inseln, die den Tieren Ruhe und Zuflucht bieten wechseln sich ab mit trockenen Wiesen voller wilder Kräuter, Buschwerk und einem typischen Kiefernwald. Neben flachen Bereichen, bewachsen mit Brombeeren und kleineren Sträuchern finden sich steile Hügel deren Besteigung sich lohnt. Weißdorn und Holunderbüsche bestimmen das Bild. Wilde Landschaft, in der man oft ausweichen und sich einen Pfad suchen darf. Vom Sturm entwurzelte Bäume queren den Weg. Die Entscheidung, unten durch oder oben drüber lässt Abenteuerstimmung aufkommen.

 

Das alles befindet sich auf kleinem Raum und ist auch für den ungeübten Wanderer machbar.

 

Tipp: ich empfehle unbedingt festes Schuhwerk.

 

Das ganze Gebiet wird vom Anglerverband bewirtschaftet. Tageskarten sind erhältlich, Nachtangeln ist für Besitzer von Dauerkarten erlaubt.

 

Kräuterkundige werden, die Augen am Boden geheftet, auf Entdeckungsreise gehen. Neben heilkräftigen Bäumen finden sich je nach Standort üppige Vorkommen von Brennnessel, weißer Taubnessel, Knoblauchsrauke, Wiesenkerbel, Schafgarbe, Schöllkraut, Ehrenpreis, Brombeere, Wasserminze, Spitzwegerich.

 

 

 

Geringere Bestände von Johanniskraut, Löwenzahn, Mädesüß, Beinwell, Bärenklau, Gundelrebe, Giersch, Vogelmiere konnte ich entdecken.

 

 Das kleine Seengebiet befindet sich neben der märkischen Clauertstadt Trebbin. Der dort gebürtige Hans Clauert war als Märkischer Eulenspiegel bekannt. Im gesamten Bereich ist wegen der Tiere und der Angler Ruhe angesagt.

 

Parkmöglichkeiten gibt es entlang des Zufahrtsweges am Waldrand.

 

Die Buchten bestehen größtenteils aus schwarzem Sand und sind oft feucht. Wer sitzen möchte bringt sich Stühle oder beschichtete Decken mit.

 

 

Ich habe die Sonne auf dem Steg genossen, die Wanderung durch den Wald, die Hügelbesteigung, die Kräuter und Bäume, den Weg am See entlang, das Verweilen in den Buchten und eine ganz besondere Tierbegegnung.

 

 

 

Während der Dreharbeiten zum Kräuterportrait über den Weißdornbusch kam ich ins Gespräch mit anderen Wildkräutersammlern. Wir rätselten über ein ganz bestimmtes Kraut, tauschten Erfahrungen und Zubereitungsarten aus.

 

 

 

Ich liebe die Vielfalt der Natur, die Leichtigkeit mit Menschen in Kontakt zu kommen, die Herzlichkeit und die wunderbaren Energien dort. Es ist ein wirklich traumhafter Ort an dem wir die Worte unserer Seele wahrnehmen können, wenn wir nur lauschen.

 

 

 


Die Bärlauch Tour

Was die Natur für wundervolle Gebilde schafft. Ich hätte wieder tausende Bilder machen können an diesem sonnigen Tag.

Sonne genießen, das liebe ich am zeitigen Frühjahr besonders. Nach den langen, grauen Wintertagen sauge ich sie förmlich in mich hinein und nutze jede Sekunde aus.

Frühling ist aber auch Wildkräuter Zeit und da dieses Jahr alles früher dran ist sind wir, meine Freundin und ich, auf Bärlauchjagd gegangen. Ich liebe Bärlauch.

 

Gefunden haben wir den Berliner Bärlauch, auch Wunderlauch oder Russischer Lauch genannt. (Allium paradoxum) Dieser wächst hier überall und es ist sogar erwünscht, dass er beerntet wird.

Eingeschleppt aus dem Kaukasus hat er sich bei uns sehr ausgebreitet und einheimische Pflanzen, wie das Buschwindröschen verdrängt.

 

Verständlich, dass man ihn nicht noch weiter wuchern lassen möchte.

 

Dieser Lauch ist kein echter Bärlauch, er hat ein eher nach Zwiebel schmeckendes Aroma. Den typischen Knoblauchduft riecht man nur ein klein wenig und auch bei der Verarbeitung bietet es sich an mit einer Knoblauchzehe nachzuhelfen.

 

Er wächst gerne an feuchten Ufern oder in Auwäldern. Die Blätter sind schmaler als beim echten Bärlauch. Man kann sie von Februar bis Mai ernten, auch die Blüte und die Zwiebel sind essbar.

Sobald er aber blüht, wird das Aroma weniger, deshalb ernte ich nur vor der Blüte.

Was soll ich euch sagen, er setzt schon Blüten an, wir haben März, also beeilt euch.

 

Ich meinerseits mag den echten Bärlauch lieber. Allerdings gibt es da eine Krux, in Berlin und Brandenburg ist das sammeln von echtem Bärlauch verboten. Er steht auf der Liste der gefärdeten Arten.

 

Wer also reichlich Frühjahrspower aus der Natur möchte holt sich den Wunderlauch nach Hause.

 

Verarbeitet wird er wie der echte Bärlauch.

Am Krimnick See entlang spazierten wir vorbei an Bärlauchwiesen und umgestürzten Bäumen. Der See hatte ordentlich Wellengang, es blies ein kalter Wind, den wir im Wald gar nicht so gespürt hatten. Egal, wir waren warm eingepackt und weiter ging es zur Landspitze, an der sich der Krimnicksee See und die Staabe, ein Teil der Dahme, treffen. Von dort aus kann man bis zur Schleuse Neue Mühle weiter spazieren. Der Wald ist für Baumliebhaber interessant, er wird Tiergarten genannt und man findet dort jede Menge alte Eichen und Buchen.

 

Vom Soldatenkönig wurde er einst zur Jagd genutzt und später unter Naturschutz gestellt. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel mit seinen verwunschenen Wegen und dem Naturlehrpfad auf der anderen Seite der Teufelsbrücke.

 

Wir haben unseren Weg am Fanggraben entlang fortgesetzt, denn dort erwartete uns unberührte Natur und reichlich Wunderlauch.

 

Nach der Ernte suchten wir uns einen Weg in Richtung Straße, durch Dickicht und umgestürzte Bäume, an Wildschweinsuhlen vorbei. Es war wild romantisch, ich liebe es an Gewässern entlang zu wandern. Biberspuren gab es reichlich.

 

An der Teufelsbrücke querten wir die Straße. Man sagt sich, ein angetrunkener Mann soll in den Fanggraben gefallen und ertrunken sein. Seither treibt er als Gespenst sein Unwesen und die Brücke erhielt den Namen Spukbrücke oder Teufelsbrücke. Uns hat er sich nicht gezeigt.

Auf der anderen Straßenseite suchten wir uns einen Weg querfeldein, die Sonne verschwand langsam hinter den Bäumen, es wurde kühler und meine Freundin hatte dringenden Kaffeebedarf. Wir wollten schleunigst den Prinz wieder finden, der uns nach Hause fahren würde, wie immer flott und hoch erfreut zwei Damen zu chauffieren.

Die Geschöpfe des Waldes sind einfach immer wunderbar. Hier seht ihr eine Penthouse Wohnung für Maden mit breiter Dachterrasse.


Umgebung entdecken! Rieselfeld Großbeeren

Mitte des 19. Jahrhundert, in Berlin wächst die Bevölkerung rasant an. In gleichem Tempo verbreiten sich Seuchen und andere Krankheiten, Havel und Spree stinken bestialisch nach Abwasser, in den Straßen laufen Rinnsale von menschlichem Urin gemischt mit Abfall aller Art.

 

Der preußische Stadtplaner James Hobrecht und Rudolf Virchow entwickeln gemeinsam ein geniales Konzept im Dienst der Gesundheit.

 

Die neu gegründeten Berliner Stadtgüter kaufen großzügig Ländereien im Umland an auf denen sogenannte Rieselfelder errichtet werden. Gemeinsam mit dem gleichzeitig entstehenden radialen Berliner Kanalisationssystem schaffen sie die Möglichkeit die Abwässer auf den Rieselfeldern zu klären. Der Märkische Sandboden bietet dafür ideale Bedingungen.

 

1881 geht das System in Betrieb und leistet über 100 Jahre gute Dienste.

 

Riesige Pumpen befördern das Abwasser in Türme, dort wurden sie vom Rieselfeldwärter überwacht. War ein gewisser Füllstand erreicht pumpte man das Abwasser in die Becken. Mittels Schiebern konnten die einzelnen Bereiche getrennt bertieben werden.

 

Ein günstiger Nebeneffekt, zumindest zu Anfang, aus den abgelagerten Feststoffen entstand wunderbarer Dünger. Auf den Flächen wurde folglich Landwirtschaft betrieben und die Versorgung Berlins mit Obst und Gemüse gesichert. Auch Mühlen und Viehwirtschaft siedelte sich an.

 

Abwechselnd wurden die einelnen Parzellen zum Klären und zum Anbauen genutzt.

 

Als nach der Jahrhundertwende immer mehr Industrieabwasser dazu kam änderte sich die Situation. Schwermetalle gelangten mit dem Abwasser in den Boden, eine landwirtschaftliche Nutzung war nicht mehr möglich.

Ich hatte natürlich nicht nur Augen für das Alte sondern auch für die Natur, die Bäume, ihre knorrige Rinde, die verwitterten Äste, die winzigen Strukturen und die Naturwesen.

 

Es gibt ein Video für euch, ich habe die Baumenergie erspürt und zeige euch wie ihr sie für euch nutzen könnt.

Koordinaten:

52°20'56.2"N 13°17'53.6"E

52.348949, 13.298217

 

Am Rieselfeld befindet sich eine Schautafel, die uns viel über das Klärsystem im alten Berlin verrät. Der 2km lange Naturpfad ist ein Rundweg über die Felder, eher ein kurzer Spaziergang aber dennoch mit eigenen Reizen. Wer sich nicht übermäßig für die Rieselfelder interessiert erfährt dort nichts Wissenswertes, keine weiteren Tafeln, lediglich Hinweisschilder an den einzelnen Feldern.

 

Van Life: Parken ist zwar nicht verboten aber der Punkt liegt am Rande einer Siedlung mit Blick auf Wohnhäuser.

 

Großbeeren hat noch mehr Geschichte zu bieten. Neben dem Turm im Zentrum ist der kleine Ort selbst für einen Spaziergang gut. Möglichkeiten einzukaufen sind reichlich vorhanden. Im angrenzenden Gewerbegebiet kann man übernachten, nicht schön aber man kann.


Januarsonne genießen

Mein erster Ausflug in 2020, wurde ja auch langsam Zeit. Die Tage sind irgendwie davon geflogen und ehe ich es mich versah schreiben wir den 16.

 

Ich hatte wieder einmal kein Ziel, liess mich führen, folgte meinen Impulsen und beobachtete. Ein schöner Platz für eine kleine Wanderung und ein Video in der wärmenden Januarsonne. Ist das nicht ein Widerspruch an sich, wärmende Januarsonne, kicher. Das war der Wunsch und meine Challenge beginnen.

 

Was ist meine Challenge fragt ihr euch.

 

Wie so oft fühlte ich mich frei und verbunden zugleich. Die kleinen Staubteilchen, die von meiner Lüftung aufgewirbelt wurden kitzelten mich in der Nase, ich konnte sie gut sehen, es stellte sich kein schlechtes Gewissen ein, schließlich putze ich gerade Farbspritzer aus der Wohnung, da muss der Prinz noch etwas warten.

 

Einen kurzen Moment dachte ich, ja, ich dachte, ich komme nie irgendwo an und wahrscheinlich lande ich wieder in meiner Garage. Der Moment verflog und mit ihm der Gedanke. Ich erinnerte mich an meine Challenge und ging vom Gas, der Prinz gehorchte auch wenn er mich dabei missmutig anblickte. Bloss nicht wieder rasen und an den schönen Orten vorbeirauschen. Die Gedanken an die hinter mir Fahrenden verscheuchte ich.

 

Der letzte Ort, den ich durchfahren hatte war Werben, ich kannte es, von früher, als Künstlerdorf. Meine Augen suchten nach einem Atelier, es fand sich nichts also fuhr ich weiter.

 

Und dann sah ich den Weg, der über die Felder ins Nirgendwo führte. Ich schaffte es den Prinzen rechtzeitig zum Stehen zu bringen, er mag das nicht, er rast lieber und überholt alle und ist immer erster von der Ampel weg. Prinzen, tzzzz.

 

Die Challenge heißt, bewusst fahren und das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Raus gehen, wandern, Video drehen, nicht mit einem Affenzahn durch Brandenburg rasen, keine Rallye, nein, eine Reise in die Achtsamkeit.

 

 

Zweites Ziel für heute, wohl fühlen, inmitten der Einsamkeit und Platz nehmen in der Natur, mit nichts weiter als meiner Jacke als Decke und meiner Kamera als Begleiter, bewusst bleiben, los lassen von allen möglichen Dingen die eventuell passieren könnten. Der Prinz bleibt zurück, das mag er auch nicht, warten und dann noch allein.

 

Hoch über mir hockte die Medusa und rief mir etwas zu, ein Stück weiter, knorrige alte Äste, die knarzten im Wind, vom Herbst vergessene Blätter, ganz Braun und schlapp, sich nach dem Boden sehnend und überall kleine Eingänge zu verborgenen Reichen. Ich sah Zwerge in graubraunen Wollkappen Edelsteine schleppen, zum Loch am Baumstumpf raus, schnell weiter huschen im schützenden Geäst über dem Boden auf der anderen Seite des Weges wieder hinein in eine Höhle mit Moos bewachsener Terrasse.

 

Ich ging auf eine Anhöhe zu, neugierig, was sich wohl dahinter befindet. Der Weg führte hinter der Kuppe weiter und weiter, gesäumt von den uralten Bäumen um die sich niemand mehr kümmerte. Ein Specht flog direkt an meinem Kopf vorbei, er vollführte einen Lufttanz auf dem Weg vor mir, meine Augen waren kaum in der Lage seinem Flug zu folgen. Er hatte silbernes Gefieder, mehr zeigte er mir nicht, schließlich gab es jede Menge zu hämmern damit die neue Behausung rechtzeitig fertig wird.


Ich stellte fest, dass der Holunder ausgeschlagen hatte und meine Güte, so weit schon, mutig der Kerl.

 

Weit und breit fand sich keine Bank, kein Baumstumpf also setzte ich mich auf der Anhöhe ins spärliche Grün, die Augen über ein weites Feld gerichtet der Sonne entgegen. Es roch nach Frühling. Mücken, es gibt doch wirklich immer noch Mücken. Im Januar.

 

Mein Rastplatz war genau richtig, zum Genießen und zum Filmen. Ich wurde auch gleich begrüßt, ein Marienkäfer liess sich auf meinem Bein nieder. Ich nahm ihn auf meine Hand, er kitzelte mich.

 

Ich sass hier wirklich mitten im Nirgendwo und doch in der Zivilisation, im Hintergrund das Brummen eines Flugzeuges und ein wenig weg das Zischen eines vorbei fahrendes Autos, ach ja, den Trecker nicht zu vergessen, der weit am Horizont seine Runden zog.

Ist das nicht ein Kunstwerk der Natur?

Irgendwann, als es kühler wurde und die Sonne langsam in ein milchiges Licht tauchte ging ich zum Prinzen zurück und beschloss ganz langsam weiter zu fahren. Ich hatte Hunger und in meinem Rucksack fanden sich zwei etwas ältere Reiswaffeln. Ich steckte sie wieder zurück. Vielleicht würde ich ja noch etwas entdecken?

 

Wenig später fuhr ich durch Glienick, ich meine es hieß so, das winzige Örtchen. An der Dorfstraße stand ein Aufsteller, Landbäckerei, herrlich, wenn es nun auch noch einen Parkplatz gäbe? Als Berlinerin wage ich es gar nicht erst an der Straße zu parken, später dachte ich, hmmm, da stand kein einziges Auto, das war meinem Auge wohl suspekt gewesen. Wenn in Berlin keine einziges Auto parkt ist etwas faul. Ich fuhr in eine Seitengasse und stellte mich neben einige andere parkende Wagen, dann lief ich zurück zum Bäcker. Auch das gehörte zu meiner Challenge, mal anhalten, Neues entdecken. Der Prinz sah mich fragend an, wirst dich dran gewöhnen, antwortete ich.

 

Schon von draußen sah der Laden total knuffig aus, ganz winzig, wirklich einladend, wie aus einem meiner Kinderbücher, wahrscheinlich kommt gleich der Maulwurf mit ner Tüte Schrippen raus. Ich trat ein, der Bäcker guckte mich fragend an, er zeigte auf sein Regal, ich sah, der Maulwurf war mit der ganzen Familie eingefallen. Die Auslage interessierte mich grad weniger, hinter dem Tresen war die Backstube, wie früher, ich lugte hinein. Was hatte ich es geliebt als Kind, Mehl bestäubte Böden, Kuchenränder, die so herrlich nach Hefe dufteten. Ich fragte, ob er noch alles selbst machte, er nickte brummig, was ich denn nun haben wolle? Einen Kaffee, to go, sagte ich. Er brummte wieder, er wisse nicht, ob er noch einen ganzen Kaffee habe. Okay, ich würde auch einen Halben nehmen, antworte ich. Ob ich vielleicht Milch rein haben wolle, nein, will ich nicht. Dann würde der Becher aber voll, brummte der Bäcker. Ich erklärte ihm, dass ich mit dem halben Becher ganz zufrieden wäre, ohne Milch. Der Mann, der hinter mir an einem Tisch sass mischte sich ein, er habe gerade den letzten vollen Kaffeebecher bekommen. Ich begutachtete seinen Becher, der auch nicht mehr voll war und fragte, ob er mir einen Schluck abgeben wolle damit mein Becher auch ohne Milch voll würde. Er lachte. Anscheinend war ihm das Nichts.

Auf dem Tresen stand ein Schild, Wir schliessen Ende Januar. Ich fragte den brummigen Mann dahinter warum, ob der Laden nicht liefe? Er erklärte mir, wie ich beim Eintreten vermutet hatte, waren die Maulwürfe zahlreich eingefallen am Morgen. Nun gut, der Grund der Ladenschließung blieb im Dunkel der Backstube verborgen. Am Interesse der Kunden konnte es aber anscheinend nicht liegen. Er hätte noch Brot murmelte er, ich esse kein Brot, antwortete ich. Was ich dann in einem Bäcker wolle? Ja, gute Frage, einen Kaffee, to go, halbvoll geht auch, sagte ich und nahm ihm den Becher aus der Hand. Zwei einsame Brötchen, die in einem Weidenkorb lagen, kamen dazu. Zu Hause würde ich sie genüsslich verspeisen und für ober lecker befinden.

 

Challenge Ängste bearbeiten: für heute mit sehr gut bestanden, angehalten, ausgestiegen, neugierig gewesen, Menschen angequatscht. Yeahhh.