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Teltowkanalwanderung Teil 6

Gleich einen Tag später zieht es mich wieder an den Kanal, ich möchte den Weg weiter erkunden und Spannendes entdecken. 

 

Mein Ausgangspunkt ist heute der Stolper Weg in Kleinmachnow. Auf einem Schotterplatz am Wald parke ich den Prinzen und laufe über einen Waldweg zur Autobahn A 115.

Startpunkt: 52.40214, 13.18352


 

Von dort aus geht es weiter, auf dem Dreilinden Waldweg Richtung Westen.

 

Die Friedhofsbahn

Wenig später tauchen die Überreste der Friedhofsbahnbrücke vor mir auf. 

Um 1900 wuchs die Bevölkerungszahl in Berlin stetig an. Die Friedhöfe stießen an ihre Grenzen und so kam es, dass die Kirchengemeinden im Teltow Land ankaufen mussten, um neue Friedhöfe zu schaffen.

 

Der wohl bekannteste ist der Stahnsdorfer Südwestkirchhof, mit seiner norwegisch anmutenden Stabkirche, der 1909 eröffnet wurde.

 

Schon kurz darauf kam es zu Problemen beim Transport der Särge, die mittels Kutschen oder Lastwagen nach Stahnsdorf verbracht wurden. So griff man den Plan, eine Bahn zu bauen wieder auf.

 

Ab dem 3. Juni 1913 wurde die Strecke von Wannsee, über Dreilinden nach Stahnsdorf ins öffentliche Verkehrsnetz integriert. 

 

Der Mauerbau war leider das Aus für die Bahn und auch nach der Wende geschah nichts. So sehr sich die Gemeinden Stahnsdorf und Kleinmachnow auch bemühen, die Deutsche Bahn hat kein Interesse daran die S Bahn wieder über die alte Strecke fahren zu lassen. Stattdessen wurde die Todesbrücke, wie sie im Volksmund hieß, 2018 abgerissen. Auf dem Foto oben seht ihr die Reste der Brücke.

Tipp: es lohnt sich einen Abstecher nach oben zu machen.

Koordinaten: 95XJ+VJ Kleinmachnow

 

Hinter der nächsten Biegung taucht ein Campingplatz auf. Rechterhand aber sehe ich eine Wand aus Holunderbüschen und sie sind gerade am Aufblühen. Welch ein Duft, betörend, ich stecke meine Nase schon wieder in die herrlichen Blüten. 

Der Weg geht hier etwas ab vom Kanal weiter, ich muss den Campingplatz umschiffen und entdecke auf seinem Gelände ein Relikt des kalten Krieges.

Der Wachturm, der den Schiffsverkehr auf dem 1981 für Westberliner wieder eröffneten Teltowkanal, kontrollierte, steht dort. Er wurde für 70 Millionen Mark vom Westberliner Senat finanziert. Ich schüttele den Kopf.

 

Hinter dem Campingplatz führt ein kleiner Sandweg durch den Wald, hinunter zum Kanal. Man kann auch geradeaus weiter gehen, doch ich entscheide mich wieder für den Weg am Wasser.

Auch diesmal wähle ich richtig, atemberaubend schöne Landschaft mit Kiefern, Büschen, wilden Rosen, Holunder, Schilfbereiche. Ich wandere den schmalen Pfad entlang, mache Pause am Kanal, beobachte Schiffe, die sacht an mir vorüber ziehen, lausche einem Reiher, schnuppere an Blüten. Ein Traum.

Der Weg ist unbefestigt und schmal, die Büsche auch schon mal überhängend. ❤️

 

Die Unferböschung wird vom Schifffahrtsamt frei gehalten und so hat man einen schönen Blick auf's Wasser. Ein Glück aber wurden die seltenen Pflanzen in Ruhe gelassen und so entdecke ich neben Sumpfschwertlilien auch einige Büsche Engelwurz. Noch nie habe ich eine Engelwurz in freier Wildbahn gesehen und dann gleich so viele Stauden. Sie blüht, kleine Fliegen, Wildbienen, Hummeln und Hornissen laben sich an ihr. Was für eine imposante Pflanze.

Ich stecke meine Nase wieder in Blüten, sie duften süß, nach Honig. Ein wichtiges Merkmal, dass sie von giftigen Doldenblütlern unterscheidet.

Weiter unten stehen einige Bittersüße Nachtschatten und die ganze Wiese ist übersät von kleinblütigen Königskerzen. Ich könnte noch weitere Pflanzen aufzählen, eine richtige Artenvielfalt hat sich dort angesiedelt. 

 

Willkommen am Checkpoint Bravo

Gefühlt nach Stunden kann ich mich von der Engelwurz losreißen. Der Weg schlängelt sich jetzt auf die alte Autobahnbrücke zu. Die A115, einst die Verbindung nach Westberlin, bis zu ihrem Ende 1969 diente sie als Grenzübergang Dreilinden und Checkpoint Bravo.

An dieser Stelle lohnt es sich den Kanalwanderweg zu verlassen und einen Blick auf die Vergangenheit zu werfen. Durch den Wald führen einige Pfade nach oben.

Im Bild seht ihr den ehemaligen PKW Streifen, die Schrift ist noch gut erhalten. Hier waren die Westberliner bei Ein- und Ausreise den Schikanen der Grenzbehörden ausgesetzt. Ich schüttele schon wieder den Kopf. Wie man nach einem derartigen Krieg schon wieder so menschenunwürdig handeln kann ist mir ein Rätsel. 

 

Der Beton im Wald wurde 2004 abgetragen und die Strecke renaturiert. Die Brücke ist noch zu betreten und Zeugnis unserer Geschichte.

Birken und Sträucher haben sich angesiedelt und der Mauerpfeffer liebt es auf dem heißen Boden zu schwitzen.

Von der Brücke aus hat man einen wunderbaren Blick über den Kanal. 

Die alte Autobahn diente auch oft für Dreharbeiten, so zum Beispiel für die Krimiserie Alarm für Cobra 11.

Da sich in der Mitte der Brücke die innerdeutsche Grenze befand, kommen wir hier auch mit dem Mauerweg in Berührung. Die orangen Stehlen zeugen davon. 

An dieser Stelle steht sie für einen Westberliner, Hermann Döbler, der mit seiner Freundin im Juni 1965 den Kanal befuhr und die Grenze nicht genau kannte. Als er das Boot in DDR Gewässer steuerte, eröffnete man das Feuer. Er starb, seine Freundin konnte sich schwer verletzt ans Westberliner Ufer retten.

Am Mauerpfeffer vorbei kommt man nach Westberlin, genauer gesagt nach Albrechts Teerofen. Davon berichte ich euch ein anderes mal.

Für heute endet mein Weg hier an der Autobahn und ich laufe zurück.

Unten füge ich euch die Karte des einfachen Weges ein. Die Strecke ist mit Rückweg 2,8 km lang.

Strecke:

mit Rückweg 2,8km

Parken:

 

Ich habe im Stolper Weg geparkt, dort gibt es am Wald und im Ort vor den Häusern einige Möglichkeiten.

Öffentliche Verkehrsmittel:

 

Kleinmachnow, Buslinie  628

Gastronomie:

 

eigenes Picknick

Besonderheiten:

 

Die Wanderung am Kanal entlang ist nicht trittsicher, der Dreilinden Waldweg ist gut befestigt. Ich bin Anfang Juni hier unterwegs gewesen, sehr zu empfehlen, wegen der blühenden Kräuter und Büsche. Begegnet ist mir die ganze Strecke über niemand, nur auf der Autobahnbrücke gab es einige Besucher.

 

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