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Rittergut Kleinmachnow - Die von Hakes

Auf den Spuren der alten Ritter

 

In diesem Artikel schweife ich ein wenig ab vom Weg. Kleinmachnow hat noch so viel zu bieten, was es sich anzusehen lohnt.

Das Adelsgeschlecht Von Hake

Die Geschichte des Ortes beginnt nicht mit dieser Familie, dennoch sind es die von Hakes, die sie bis ins 20. Jahrhundert hinein prägen.

 

Anfang des 15. Jahrhunderts erwirbt die Familie das Gut, welches zu dieser Zeit nur aus einer Zollstation und der alten Burg besteht. Anders als frühere Besitzer beschließen die Ritter dort zu leben, sie ziehen in den alten Kasten ein. Margarete von Hake, die erste Rittersbraut, gibt eine Kirche in Auftrag, die heute als Dorfkirche bekannt und Anfangs ausschließlich der Familie vorbehalten ist. 

 

 

Die Dorfkirche

Da die von Hakes schon vor dem Kurfürsten 1539 zum lutherischen Glauben konvertiert sind, gilt die Kleinmachnower Kirche als eine der ersten Evangelischen Kirchen der Mark Brandenburg. 1597 wurde sie fertiggestellt und fortan fanden Hochzeiten, Begräbnisse und Feierlichkeiten in ihr statt. Das Gebäude ist spätgotisch. 1703 kam eine Gruftkapelle hinzu. Bis dahin wurde im Altarraum bestattet. Einerseits geht man davon aus, dass der Platz im Inneren knapp wurde andererseits gab es ab 1794 in Preußen ein generelles Verbot der Bestattung im Innenraum.

Die Kirche ist durch eine hübsche Backsteinmauer eingefriedet. An der Nordseite kann man die Gräber der von Hakes und des Försters bewundern.

 

Tipp: die Kirche kann von April bis November sonntags von 14 - 17 Uhr besichtigt werden. Außerdem zu Gottesdiensten, Konzerten und Veranstaltungen.

 

Koordinaten: 96WF+2F Kleinmachnow

die alte Burg

 

Bereits im 12. Jahrhundert befand sich an der Stelle der sogenannten alten Hakeburg ein Bauwerk, welches den Bäkeübergang an der Handelsstraße Spandau - Leipzig sicherte. Da man hier mit dem Namen Burg und Schloss großzügig umgeht, ist auch dieses alte Ding keine Burg sondern ein Haus mit einem anschließenden Treppenturm. 

 

Bei einem Luftangriff 1943 wurde die Burg, wie auch der Gutshof, fast vollständig zerstört und in den 50-ger Jahren abgerissen.

 

Tipp: eine Besichtigung der Grundmauern ist möglich: von April bis Oktober, an jedem 2. Sonntag im Monat von 13-17 Uhr

 

Koordinaten: 96VF+H8 Kleinmachnow

Der Hakesche Gutshof

Vom einstigen Gutshof sind außer dem Medusentor nur noch Grundmauerreste, die man bei einem Spaziergang durch den angrenzenden Schlosspark sehen kann, erhalten.

Die Familie von Hake ließ auf dem Gut mehrere Gebäude errichten. Dazu zählen ein Remise, Stallungen und andere Wirtschaftsgebäude, ein Taubenturm mit achteckigen Ebenen, das Medusentor und das Schloss. 

Auch die Gärtnerei, die heute noch gegenüber der alten Hakeburg liegt, stammt aus Zeiten der von Hakes.

Das Forsthaus, heute an der Straße am Forsthaus gelegen, ist gut erhalten aber in Privatbesitz. Es diente dem Förster auf Lebenszeit als Wohnsitz. Er kümmerte sich um die Hakeschen Wälder, die bis Berlin reichten und dem Berliner Adel damals als Jagdrevier dienten.

 

Das Medusentor

Das Tor steht an der Zufahrt zum Gutshof und trägt einen Medusenkopf und eine Minerva als Schmuck. Ich finde es sieht hübsch aus und eignet sich als Fotospot super. Schön, dass es wieder hergerichtet wurde. An beiden Seiten befinden sich Tafeln zur Geschichte des Gutes, mit Text und Bildern. 

Koordinaten: 96VF+W8 Kleinmachnow

Das Schloß

Als die alte Burg den von Hakes zu klein wurde, ließen sie auf dem Gutshof ein Herrenhaus erbauen. Vom Architekten David Gilly im klassizistischen Barockstil entworfen diente es ab 1803 als Wohnsitz. Die Bezeichnung Schloß trifft auch hier architektonisch nicht zu. 

Eine Tafel am Medusentor zeigt die einstige Schönheit des Gebäudes. Vom ehemaligen Schlosspark aus sind noch ein paar Steine und Stützelemente der Grundmauern zu erkennen.

 

Der Naturlehrpfad

Der ehemalige Gutspark aka Schlosspark war über eine Freitreppe vom Herrenhaus begehbar und diente den Ladies zum Flanieren. 

2004 legten freiwillige Helfer einen Naturlehrpfad in dem weitläufigen Park an. Zu sehen sind einheimische und selten Bäume, die mit Schildern gekennzeichnet wurden. Ein Weg führt am Rande einer Trockenwiese entlang. Ich entdecke drei Mammutbäume, deren Blätter aussehen wie Zypressennadeln sich aber samtweich anfühlen. Die Rinde ist rissig und trocken, etwas rötlich abgesetzt. Sumpfzypressen sind hier genauso zu bewundern wie Schwarzerlen, Eberesche und Bergahorn. 

Auf meiner Liste der schönsten Naturlehrpfade rangiert er nicht ganz oben, dennoch lohnt sich ein Abstecher, da im südlichen Teil der zweite verbliebene Rest des Bäketals zu bewundern ist. 

Die Bäkemühle

 

1695 ließ Ernst Ludwig von Hake die Wassermühle erbauen. Durch die Endung ow im Namen geht man von einer weitaus älteren slawischen Besiedlung aus. Machnow bedeutet ein moosreicher Ort. Da an dieser Stelle der Bäkesumpf überquert werden konnte, bot sich eine Besiedlung förmlich an.

Die Mühle hatte bisher ein durchwachsenes Schicksal. Sie brannte mehrfach aus, wurde immer wieder neu errichtet, später sogar mittels Dampf betrieben. Doch der Bau des Teltowkanals zwang sie zum endgültigen Aus.

Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1862. Zwischenzeitlich als Gaststätte betrieben, befindet es sich nun in Privatbesitz mit angegliederter Arztpraxis und kann nur von Außen besichtigt werden.

Leider ist mittlerweile auch das Mühlrad nicht mehr vorhanden. Auch hier lohnt sich der Weg, denn am Gebäude ist die Innschrift des Baus von 1695 gut erhalten.

Koordinaten: 96VF+F6 Kleinmachnow

noch mehr Geschichte

Weitere Zeugnisse der Vergangenheit Kleinmachnows sind die alte Gutsgärnerei, die nach wie vor in Betrieb ist, das Schulgebäude gegenüber der Kirche und das Weinbergviertel, mit seinen alten Stadtvillen und dem heutigen Quellgebiet der Bäke.

 

Da der ursprüngliche Verlauf durch den Teltowkanal gekappt ist, bezieht der Bach sein Wasser heute vom 50m hohen Weinberg und den umliegenden Wiesen. Im Schwarzen Weg befindet sich die neue Quelle, ein kleiner Pfad führt über den Weinberg an der ältesten Eiche des Ortes vorbei. 700 Jahre, ich staune ehrfürchtig.

Koordinaten: 96VH+C3 Kleinmachnow

 

Wer Zeit hat flaniert durch das Wohngebiet im Weinbergviertel. Hier finden sich unter anderem die 1936 erbaute Villa des Schauspielers Paul Henckels und das 1906 erbaute Landhaus des Dorfschullehrers Koch. Auch die mit Naturstein gepflasterten Wege und Straßen des Viertels stehen unter Denkmalschutz.

 

Startpunkt: Schwarzer Weg Kleinmachnow 96WJ+7Q Kleinmachnow

Endpunkt: Medusentor 96VF+W8 Kleinmachnow

Parkplätze sind im gesamten Ort ausreichend vorhanden.

ÖPNV: Buslinien 620/622

Quellen: 

https://www.ev-kirche-kleinmachnow.de/ueber-uns/orte/dorfkirche-kleinmachnow.html

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