· 

Teltow Kanal Wanderweg 3- Machnower Schleuse

Teil 3 - Schleusenromantik

 

Teil 3 meiner Wanderung am Teltow Kanal entlang führt mich zur Machnower Schleuse. Ich beschließe darüber einen eigenen Post zu schreiben, es gibt einfach so viel Wunderbares und Einzigartiges zu entdecken hier.

Solltest du dich nicht für Technikkram interessieren? Geht mir auch so. 😉 Ich bin trotzdem versumpft dort, es ist nämlich richtig meditativ den Booten beim Schleusen einfach nur zu zuschauen. 

 

Aber back to start. 

 

Ich parke den Prinzen 🚙 im Wohngebiet nahe der Schleuse. Sollte man so gar nichts mit ein wenig Laufen am Hut haben 🤷🏻‍♀️, kann man auch den Parkplatz direkt an der Schleuse nutzen. 

 

Da ich dort weiter gehen möchte, wo ich beim letzten Mal geendet bin, (ja, da bin ich eigen) besteige ich den Berg und kraxel durch den Wald.

Ich könnte jetzt sagen ich orientiere mich an der Burg aber ehrlicherweise ist es diesmal eher meine Intuition, die mich geradewegs zur Hake Burg führt.

Koordinaten: 52.399144246195185, 13.219436069333293

Von dort gehe ich bergab und atme tief den morgendlichen Duft vom See ein. Abgesehen vom Konzert der Vögel ist es ruhig hier, die Sonne ist eben erst so richtig aufgegangen.

 

Nach wenigen Metern schon erreiche ich eine mit uralten Buchen bestandene größere Fläche, die mich zu einem Denkmal hinleitet. Ein Blumenmeer empfängt mich. Inmitten ein Stein, der dem norwegischen Dichter und Kriegsberichterstatter Nordahl Grieg gewidmet ist.

 

Dieser kam am 2. Dezember 1943 am Nordufer des Sees ums Leben, als seine Maschine, eine Lancaster 3 abgeschossen wurde. Da Nordahl Grieg in Norwegen ein ziemlich berühmter Künstler war, bat man darum einen Gedenkstein zu setzen.

 

Koordinaten: 52.39756021113374, 13.216320398169012

 

 

Der Weg führt weiter, ein Stück am Ufer entlang, danach muss ich leider wieder Grundstücke umwandern und so werde ich einen kleinen Hügel hinauf geführt. Vorbei an einem alten Bunker, der heute Fledermausquartier ist, spuckt mich der Wald inmitten einer Wohnsiedlung aus. 

Ich folge der Straße Am Hochwald bergab, biege nach links in den Stahnsdorfer Damm ein und sehe schon das wunderschöne Fachwerkhaus, in dem sich ein Berufsausbildungszentrum für Wasserbau befindet.

 

Von der 2005 fertiggestellten Brücke aus kann ich den Booten und Schleppkähnen beim Schleusen zusehen. Allerdings versperrt momentan (Mai2021) ein Gerüst den Blick, welches sich über die Schleusenkammer zieht. Ich stehe trotzdem mehr als 2 Stunden dort und gucke. Okay, ein- zweimal hüpfe ich wie ein Hase zwischen den fahrenden Autos hindurch auf die andere Seite. Da manövriert gerade ein Schleppkahn gekonnt in die Schleuseneinfahrt hinein. Ich bin ehrfürchtig begeistert wie dieser stählerne Koloss ganz sachte die Kurve kriegt.

 

Die Brücke, über die ich gehüpft bin ist auch nicht mehr das Original. An die ursprüngliche Schleusenbrücke erinnern hier nur noch die denkmalgeschützten Arkaden. Sie diente sowohl dem Fahrzeugverkehr, als auch den Treidelloks als Querung. Schade, solch eine Lok hätte ich gerne mal bei der Arbeit beobachtet.

 

 

Fußgänger wurden schon damals unter den Aufbauten entlang über die Schleuse geführt. Den noch zugänglichen Teil der ehemaligen Fußgängerbrücke zieren heute einige Infotafeln über die Geschichte der Schleuse.

 

Tipp: Angemeldete Führungen sind möglich. Die ehemalige Schleusenwärterbude in der Mitte der Zwillingsschleuse steht an Sonn- und Feiertagen für Interessierte offen. Es ist ein Wochentag und wegen C ist eh alles anders.🤷🏻‍♀️

 

Nach Bauende 1906 gab es lediglich zwei Kammern, die beide gleichzeitig im Sparbetrieb liefen. Eine Kammer diente der anderen als Auffangbecken, so konnte der Wasserverbrauch deutlich verringert werden. Dies war eine Auflage der Königlichen Regierung in Potsdam für den Bau der Schleuse. Da erzähle mir noch jemand früher hätte man nicht an die Umwelt gedacht. 🙃

 

Die beiden Kammern sind 67 Meter lang und 10 Meter breit, damit war es möglich zwei der damaligen Kähne nebeneinander zu schleusen. Sie wurden mittels Laufkatzen in die Kammer gezogen. Ein kompletter Vorgang dauerte 30 Minuten und auch das war seinerzeit ein Rekord.

 

Die schönen Aufbauten dienen den  Stützaufzügen der Hubtore als Unterbringung. Das war zwar eine teuerere Lösung, bot aber den Vorteil, dass alle beweglichen Teile außerhalb des Wassers lagen. 

 

1940 kam die heutige Nordkammer hinzu. Sie bot mit 85 Metern Länge und 12 Metern Breite mehr Platz für die größeren Schleppkähne. Dafür mussten leider die schönen Besucherbauten und der Garten am Nordufer weichen. Auch das Gesamtbild der Schleuse litt darunter, denn man griff auf das übliche Stemmtor zurück, welches keinen Überbau erforderte.

 

 

Nach dem zweiten Weltkrieg lag die Schleuse im Dornröschenschlaf und erst, als man sich 1981 einigte, den Kanal von westlicher Seite wieder zugänglich zu machen, erfuhr sie ein Comeback. 

 

Als ich mich vom Boote gucken mal kurz losreißen kann, einfach weil gerade keines da ist, fällt mein Blick auf den lächelnden Triebwagen neben dem Parkplatz. 

Die alte Linie 96 der BVG samt Haltestelle. Einige von euch werden sie vielleicht noch fahrend kennen. Behrenstraße, Tempelhof, Lichterfelde Ost, Seehof, Stahnsdorf zuckelte sie bis zur Machnower Schleuse und zurück. Schließlich endet ihre Geschichte mit dem 31.10.1961 und dem Bau der Berliner Mauer.

Nach der Wende wurde der alte Triebwagen in Teltow restauriert und aufgestellt, bevor er 2009 diesen Platz an seiner historischen Endhaltestelle bekam. 🚃❤️

 

Tipp: auch hier ist eine Besichtigung möglich. Öffnungszeiten normalerweise Samstag und Sonntag von 13-18 Uhr.

 

Jetzt möchte ich aber ein Eis essen. Ich schlendere auf gut Glück die Straße runter, passiere eine 1906 gepflanzte Eiche und erfahre, dass es kein Eis gibt. Ich könnte griechisch Essen gehen, ne, will ich nicht oder indisch? Nee, auch nicht. Also ohne Eis weiter. 

Was hilft da? Boote gucken natürlich. 😉

 

Ich hoffe dieser 3. Teil meiner Wanderung hat euch gefallen. Die Schleuse ist auf jeden Fall einen Besuch wert.👍🏻👍🏻👍🏻

 

Bis zum nächsten Mal

Eure Tina 🙋🏻‍♀️

 

Koordinaten Startpunkt: Gedenkstätte Nordahl Grieg 96W8+XG Kleinmachnow

Koordinaten Endpunkt: Schleuse Kleinmachnow  96W5+88 Kleinmachnow

Kommentar schreiben

Kommentare: 0