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Teltowkanal Wanderweg Teil 2 Neue Hakeburg

Sie verlassen den Amerikanischen Sektor

 

warnt mich ein Schild, ich bleibe kurz stehen. Soll ich? Ach. Gucken kann man ja mal. 😉

 

Mein heutiger Startpunkt ist die Sachtlebener Straße.

Koordinaten: 52.40755269004723, 13.249383594684291

Kurz danach verlasse ich das Berliner Stadtgebiet und es geht vorbei am Augustinum, einigen Wohnhäusern und einer Kleingartenanlage. Der Wanderweg Nummer 17 hat sich hier nicht nur von Berlin verabschiedet, sondern auch vom Mauerweg und seiner schönen Nummerierung. Ab hier  folgen wir diesem ♒️ Zeichen, ebenfalls in Blau.  

 

Es dauert eine Weile, bis ich den Kanal wieder sehe, denn der Weg führt ein Stück landein, vorbei an Kleingärten, üppigem Grün, durch eine schöne Siedlung bis zum Freibad Kleinmachnow.

 

Tipp: Man kann dieses Wegstück getrost überspringen und am Freibad Kleinmachnow starten.

Koordinaten: 52.401595521093576, 13.239620349838924

 

Danach bin ich endlich wieder am Wasser, ja sogar auf dem alten Treidelweg. An beiden Kanalufern liegt hier die Gemeinde Kleinmachnow, deren schriftliche Erwähnung im Jahre 1375, in einem Jahrbuch entdeckt wurde. Die Besiedlung des Gebietes ist viel älter, so gab es Funde, die aus der Zeit um 800 nach Christus stammen.

 

 

Hinter einem kleinen Hügel erreiche ich die Friedensbrücke, die zu Zeiten des Kanalbaus die Badewitzbrücke war. Alle Brücken wurden nach Persönlichkeiten benannt, die am Bau des Kanals maßgeblich beteiligt waren. Leider wurde auch die Badewitzbrücke zum Ende des Krieges gesprengt und so zeugt nur noch ein gerettetes Teil des ehemaligen Geländers von ihrer Schönheit.

Auf der hier befindlichen Infotafel kann ich die Geschichte der Brücke nachlesen.👍🏻

 

Direkt an der Badewitzbrücke gehe ich weiter am nördlichen Kanalufer entlang und schon nach wenigen Metern taucht der Machnower See auf und mit ihm ein kleiner Vorgeschmack auf das traumhafte Bäketal. Mein Weg, war nicht mehr der offizielle Wanderweg, sondern ein kleiner Pfad. Wer lieber den breiteren und befestigten Weg gehen möchte folgt der Straße ein Stück nach Norden und biegt dann links ein. Allerdings empfehle ich den Pfad am Ufer, einfach wegen seiner traumhaften Schönheit.

Der Machnower See

 

Beim Bau des Teltow Kanals machte man sich den See als erweiterte Wasserstraße zunutze. So bekam der vorher isolierte See nun ausreichend Wasser und ein Teil des Bäketals, das sonst dem Kanalbau zum Opfer gefallen wäre, blieb erhalten. 

Es gibt einen Wanderweg um den See, ich kann ihn euch wegen seiner Flora und Fauna empfehlen.

 

Durch einen Auwald, mit sumpfigen Kuhlen und Resten uralter Bäume geht es am Machnower See entlang. Ich durchwandere den Seeberg Park, im Wald entdecke ich Unmengen an Maiglöckchen, die gerade blühen und mich einhüllen in ihren betörenden Duft. Der Park beherbergt viele über 300 Jahre alte Buchen und Eichen. Ehrfürchtig sehe ich an ihnen empor. So gerne würde ich ihren Geschichten lauschen. 

 

Am Ende des Weges kommt die Machnower Schleuse in Sicht, doch diese hebe ich mir für einen anderen Tag auf.

Stattdessen besteige ich den Seeberg, mitten durch dem Wald, hinauf zur alten neuen Ritterburg.

 

Die Neue Hakeburg

Vorsichtig schleiche ich mich an, möchte ja nicht von einem Ritter aufgespießt werden. Man sagt, dass die Hakeburg durch Rebellen besetzt ist und tatsächlich, zwei der Unholde stehen in einem Wortgefecht am Eingang.

Ich gehe einfach an der anderen Seite entlang und betrachte die wunderschöne Burg, die natürlich gar keine richtige Burg ist sondern ein in Brandenburg übliches Herrenhaus. Aber so kleinlich wollen wir mal nicht sein, sind ja nicht gerade üppig ausgestattet mit Burgen hier. 😉

 

Die Hakeburg thront über den Wipfeln des uralten Waldes, sie wurde mit dem Kanalbau, 1908 errichtet. Besitzer des Rittergutes war die alte Adelsfamilie von Hake, der Kleinmachnow seit Generationen gehörte. Sie bestimmte das Bild des Ortes bis ins 20. Jahrhundert mit.

 

Den Abstecher zur Burg solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Auf dem Hof gibt es ein hübsches Wirtschaftsgebäude und trotz des maroden Zustands versprüht das ganze Haus seinen Charme. Im neoromanischen Stil erbaut sieht sie von vorn einer Burg wirklich ähnlich. Vom Hof aus betrachtet kommt mehr der Herrenhauscharakter durch und ein wenig Ostfeeling spüre ich auch. Nach der Teilung Deutschlands wurde die Burg zur Beherbergung  hoher Staatsgäste genutzt. Gorbatschow, Castro und andere nächtigten hier.

 

Auch bei Film und Fernsehen ist die Burg durchaus beliebt. 2004/2005 war sie Drehort für die Serie 18 - Allein unter Mädchen und der 2019 entstandene Film Schattenmoor nutzt die Burg für die Villa Gravenberg.

 

Ich hoffe, dass sich neue Eigentümer finden, die sie würdig erhalten und den Weg über den Hof zugänglich lassen.  Bis dahin bleibt sie wohl ein #lostplace

 

Ich jedenfalls könnte hier glatt sitzen und eine Rittergeschichte schreiben. Gäbe es denn eine Bank. 🤷🏻‍♀️

Wenn ihr jetzt noch durch das Burgtor schreitet und den Weg auf euch nehmt, den Berg hinab zum Torhaus, werdet ihr mit etwas Ritterromantik belohnt. Ihr findet es am Zehlendorfer Damm, Ecke Karl Marx Straße. 

Koordinaten: 52.40017854542117, 13.226506372177976

 

Startpunkt: Sachtlebener Straße C65X+3Q Berlin

Endpunkt: Neue Hakeburg 96X9+HQ Kleinmachnow

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