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Teltowkanal Wanderweg Zehlendorf Teil 1

Ein neues altes Projekt steht auf meiner Liste. Unter dem Motto Umgebung entdecken möchte ich das schöne Umfeld hier erkunden.

 

In Anbetracht der immer noch nicht ganz entspannten Situation, finde ich, wir sollten uns erinnern, dass es nicht die großen Reisen sein müssen und dass wir in unserer Nähe wunderbare Flecken haben, die oft von fleißigen Helfern, erkundet, erbaut, erschlossen wurden. Ich für mich habe das bisher zwar im Hinterkopf gehabt, es dann aber wieder vergessen.

 

Deshalb starte ich heute mit dem ersten Teil des Teltow Kanal Wanderweges, einer der 20 grünen Hauptwege durch Berlin.

 

Warum der Teltow Kanal Weg?

Er führt meist am Wasser entlang und ich liebe Wasser. 

Was ich vorher überhaupt nicht weiß, es gibt an ihm so viel zu entdecken, Geschichte, Geschichten, Orte, Zeitzeugen. 

 

Natürlich nehme ich euch auch per Video mit und natürlich fehlt mir der Van, ich merke schnell, dass es schöner wäre den Weg in Abschnitten zu bereisen. 

Soll ich besser warten? Nööö, warum, ich habe jetzt den Impuls hier wandern zu gehen und es gibt ja schließlich 20 dieser Wege und es gibt nebenan in Brandenburg wahrscheinlich drölfzigtausend ähnliche Wanderungen.

 

Ich überlege, wie kann ich euch Unterhaltung bieten, es auch für euch interessant machen. Als ich loslaufe merke ich schnell, dass es für mich und auch für euch so viel Wissen zu erzählen git und da ich die Berichterstatterin des Lebens bin fange ich einfach mal an.

 

Falls ihr die Strecke lauft, lasst es mich gerne wissen.

 

Der Teltowkanal

Der Teltowkanal zieht sich über knapp 39 km Länge durch Berlin und Brandenburg. Von 1900 bis 1906 erbaut verbindet er die Untere Havelwasserstraße mit der Oder Spree Wasserstraße. Leider wurde er für die großen Schleppkähne etwas eng konzipiert und aus der Not heraus entstand eine innovative Idee. Die Kähne wurden mit Treidelloks, 🚂 die am Kanalufer fuhren gezogen.

Dafür benötigte es ein Gleisbett und auf genau diesem ist heute der Wanderweg zu finden.

 

Ich werde die einzelnen Abschnitte nicht nacheinander gehen, da ich die Wanderungen oft mit Terminen, die ich in der Gegend habe verbinde. Außerdem wollte ich mit einem landschaftlichen schönen Teil starten, für mich und um euch zu locken. 🙃

 

Teil 1 - Zehlendorf

Am Teltower Damm, direkt an der Knesebeckbrücke starte ich in Fließrichtung.

Koordinaten: 52.404394789793066, 13.269011342279097

Der Weg ist hier betoniert und führt durch grüne Wiesen und interessante Uferbereiche. Er teilt sich die Fläche mit dem Mauerweg, am Rand stehen immer wieder Bänke, auf denen man verweilen oder, wie ich sein Tagebuch schreiben kann.

 

Rechterhand befindet sich Schönow, ein Ortsteil von Zehlendorf und obwohl ich seit 1987 umme Ecke wohne, habe ich diesen Namen noch nie gehört. Ich besetze eine Bank und recherchiere.

 

Was ist denn dieses Schönow?

 

Alt ist es, sehr alt. 1299 erstmalig als eigenständiges Dorf urkundlich erwähnt wurde es 1872 nach Zehlendorf eingegliedert. Im 14. Jahrhundert gehörte Zehlendorf übrigens den Zisterzienser Mönchen in Lehnin. Hier schließt sich ein Kreis, ich lächele. 😍

1920 kam dann die Eingemeindung nach Groß Berlin. Gar nicht so lange her, denke ich und zu welcher Großstadt Berlin seither geworden ist, Wahnsinn.

 

Ein Stück weiter fließt der Schönower Graben, ein kleines Bächlein, in den Kanal. Einige dieser ursprünglichen Wasserläufe wurden beim Bau einfach integriert und existieren heute nur noch stellenweise.

 

Am Wegrand blühen Weißdornbüsche und der Hopfen berankt beidseitig Zäune und Schilf.

 

Am Südufer des Kanals liegt Teltow und ich entdecke den neu gebauten Stadthafen. 

 

Wenig später gibt es eine kleine Steigung zu erklimmen, der Weg führt unter Bäumen in eine Kurve und als ich aus dem Blattdickicht wieder auftauche stehe ich vor einem der wichtigsten Gebäude des Kanals. 

 

Die alte Teltowwerft taucht auf.

 

Nach Fertigstellung der Wasserstraße gab es an dieser Stelle ein Kraftwerk, welches die Energie für die elektrisch betriebenen Treidelloks erzeugte und die Lokschuppen.

Das Kraftwerk Schönow lieferte später auch Strom für umliegende Nutzer. Der Plan war, das angrenzende Gebiet attraktiv zu machen und so eine Ansiedlung von Industrie zu fördern. 

 

Das Kraftwerksgebäude in seiner ästhetischen Bauweise von 1900 ist bis auf den Schornstein erhalten. 

Der ebenfalls auf den Gelände befindliche Bauhof übernahm die Wartung und Reparatur der Loks und 1924 dann wurde die Werft gegründet.

 

Im Werk wendete man die damals sehr innovative Art des Lichtbogenschweißens an und leistete echte Pionierarbeit auf den Gebiet des Schiffsbaus. Einige bedeutende Schiffe wurden in der Teltowwerft entwickelt und gebaut, teilweise fahren sie heute noch.

 

Ein technisches Denkmal aus der Zeit unserer Großeltern. Auch der Bauhof ist erhalten und ein Lokschuppen sowie das zweite Wirtschaftsgebäude.

Koordinaten: 52.4061978487059, 13.251851226935603

Ein Stück des alten Gleisbettes führt zum Brückenkopf am Kanal. Einst gab es eine Verbindung zur Südseite und eine Brücke über die Hafeneinfahrt. Beide wurden jedoch bei Kriegsende zerstört. Es gibt Pläne die Fußgängerbrücke über den Kanal wieder zu errichten.

 

Nach Kriegsende ist der Kanal teilweise nicht mehr passierbar und nach dem Mauerbau wird die Zufahrt durch die DDR Behörden gesperrt, so dass die Werft 1962 ihren Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen einstellen muss.

Das Gebäude ist heute Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. 

Ich gehe also außen herum. Der Weg führt jetzt ein Stück die Sachtlebener Straße entlang und biegt dann links ein. An der Rückseite der alten Werft betrachte ich den Bauhof und den Lokschuppen. 

Ein paar Meter weiter verlässt der Wanderweg Nr. 17 den Mauerweg und biegt links ab auf das Gelände des Augustinums. Am Buschgraben endet der Zehlendorfer Teil des Teltowkanalweges. Wir verlassen das Berliner Stadtgebiet aber dazu ein anderes mal mehr.

 

Tipp: Diese Strecke ist ca. 1,8km lang. Wer nun nicht zurück laufen möchte kann den Bus der BVG Linie 101 Richtung Zehlendorf benutzen. Mit der Linie X10 kommt man dann wieder zum Ausgangspunkt zurück.

 

Start: Knesebeckbrücke: C739+RG Berlin

Ende:Buschgraben Zehlendorf: C65X+2P Berlin

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