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Rund um den Bitterlingsteich in Jütchendorf

Fast durch Zufall entdecke ich den kleinen Weiher am Rande der Straße in Jütchendorf. 

 

Wie so oft lasse ich mich treiben und beschließe spontan einen Spaziergang zu machen. Ich weiß nicht wohin und hoffe auf Inspiration vor Ort.

 

Diese bekomme ich, denn gegenüber vom örtlichen Gasthof geht ein kleiner Weg in den Wald, der mich direkt zum versteckt gelegenen Weiher führt.

 

Eine Hinweistafel klärt mich auf, dass ich mich am Bitterlingsteich befinde. Überall stehen trockene Stengel, Dornen besetzte Äste und wilde Gräser herum. Diese Winterfarben liebe ich sehr, manche würden es Gestrüpp nennen, ich dagegen sehe so viele verschiedene Töne von Braun und Grau.

Es scheint einen Rundweg zu geben und ich beschließe ihm ein Stück zu folgen.

 

Zur Geschichte:

Mit einer  damaligen Fläche von 2700 qm und einer Tiefe von 1,60m liegt der Teich eingebettet in einen üppigen Wald. Einst wurde hier Kies abgebaut, der 1936 für das Olympia Stadion in Berlin gebraucht wird. Zunächst entwickelt sich alles gut, Wasser läuft ein, Pflanzen und Fische siedeln sich an, es wird geangelt und gechillt. In den 70-er Jahren ändert sich das dramatisch.

 

 

Ganz in der Nähe wird eine Mülldeponie angelegt, natürlich ungeschützt und so gelangen Schadstoffe über das Grundwasser in den Teich. Das führt dazu, dass der gefährdete Bitterling, eine Fischart, seine Lebensgrundlage verliert.

 

Erst in den 80-er Jahren gelingt es den Teich zu einem Flächennaturdenkmal zu erklären und ihn damit wenigsten ein wenig zu schützen.

 

Nach der Wende, die Deponie wird geschlossen und abgedeckt, verkleinert sich die Wasserfläche durch natürliche Verlandung. Diese Teichalterung wird durch die Schadstoffe beschleunigt und so breiten sich Schilf und ufernahe Bäume vermehrt aus. 2011 ist die Wasserfläche nur noch 50-60qm groß.

 

Der Probiotop e. V. nimmt sich des Teiches an. Gemeinsam mit den Bürgern des Ortes wird das Schilf geschnitten und das Ufer entholzt. 

 

Der Bitterling allerdings ist verschwunden und mit ihm die große Teichmuschel. Es ist unklar, ob sich der Fisch wieder ansiedeln lässt.

Die Wanderung

 

Rund um den Teich führt ein kleiner Weg, der von Hinweistafeln gesäumt ist. Im Teich entdecke ich Rohrkolben, deren weiße Flugsamen durch den Wind in alle Richtungen fliegen. 

 

Kleiner Tipp

Junge, noch grüne Rohrkolben sind gekocht wie Maiskolben essbar, auch die Wurzeln dürfen auf den Teller. Allerdings ist das Ernten in Naturschutzgebieten nicht gestattet.

 

Die Vegetation ist magisch, ich fühle mich wie in einer anderen Welt, entdecke verwunschene, mit Moos und Flechten bedeckte Bäume, in denen Naturwesen wohnen. Die Farben des Winters glänzen in der Sonne, der See trägt eine Eisschicht, die ihn in einen natürlichen Spiegel verwandelt. Hoch oben hängt ein Nistkasten, im nahen Wald klopft ein Specht, Meisen hüpfen von Ast zu Ast und im Gebüsch schimpft eine Amsel über meine Anwesenheit.

 

Der Teich ist bestimmt mit Kindern einen Besuch wert, die Strecke ist kurz, es gibt viel zu entdecken und die Hinweistafeln dürfen von den Erwachsenen gern vorgelesen werden. Die geschützten Arten Kammmolch und Knoblauchkröte sind im Teich zu Hause. Auch Teichmolch, Erdkröte, Ringelnatter, Teichfrosch, Libellen, Moorfrosch und Eisvögel gefällt das Leben am und im Weiher.

 

Das Gelände ist nicht trittsicher, festes Schuhwerk von Vorteil und zum Erkunden wichtig. Die Straße macht ein wenig Lärm, dennoch lässt es sich herrlich entspannen. 

 

Koordinaten:

14974 Jütchendorf, ein Stadtteil von Ludwigsfelde, an der Landesstraße L 793 gelegen, 

52°16'29.7"N 13°10'50.9"E

 

Vielleicht inspirieren euch die Bilder zu einem Besuch. Eure Tina

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