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Romney Shetland Lamm Vlies versponnen

Letztes Jahr, auf dem Wonderwool Wollfest in Wales, brachte ich mir ein Lammvlies mit.

 

Rohwolle, oh Gott, was mache ich damit?, werden einige jetzt denken und ja, es riecht nach Schaf und es ist fettig und man hat Arbeit damit bevor es auf's Spinnrad geht. Aber.....

 

Schafvliese machen etwas mit uns, ich wage zu behaupten, sie bringen uns ins Glück, verbinden uns mit der Natur und heilen unsere Seele.

 

Dieses Vlies hier stammt von Shetland Romney Schafen, eine Kreuzung mit beiden Wollqualitäten.

Hier seht ihr es noch ungewaschen. So sollte ein Vlies übrigens ausschauen, ohne Verschmutzungen. Ich hatte da schon gruselige Dinge in Säcken, verschmutzt, bestialisch stinkend, das ist nicht in Ordnung, Schafe stinken nicht nach Kot und mittlerweile schicke ich verschmutzte Vliese sofort zurück.

Der schmutzige Teil darf vom Schäfer aussortiert werden und kann zum Beispiel für Wegemulch Verwendung finden. Keinesfalls sollte unsere Badewanne voller Kackwasser vor sich hin dümpeln oder man Ärger mit dem Partner bekommen, weil er das Bad zur Gasmaskenzone erklärt hat.

 

Größere Schafzuchtbetriebe haben außerdem eine Rüttelmaschine. Die Vliese werden dort ordentlich geschüttelt, so dass Pflanzenteile und Sand heraus fallen.

 

Wie ging es dann weiter?

Nach dem Waschen und trocknen kam das Vlies auf meine Kardiermaschine. Es entstanden diese wunderbaren Batts, flauschig und leicht fettig.

Ich liebe es wenn noch wenig Fett in der Wolle verbleibt, das gibt später die Regen abweisenden Eigenschaften.

 

Das Kardieren kann ebenso mit Handkarden geschehen oder ihr schickt euer Vlies an eine Firma, die diesen Arbeitsschritt für euch übernimmt.

 

Die Firma Godosar in Hessen zum Beispiel kardiert ab 1kg Material.

 

Durch das Kardieren fallen noch einmal Teile von Wiese und Sand heraus und es lassen sich Kletten aus dem Vlies pulen.

 

Manchmal bedarf es mehrerer Durchgänge um die Fasern gut und leicht spinnbar zu machen. Ich habe diese Batts 3x hintereinander kardiert.

Am Ende sind 6 Stränge entstanden, in einem wunderbaren, leicht changierendem Grauton, genau wie ich es liebe.

Insgesamt habe ich 557 Gramm Garn mehr in meinem Stash mit einer Lauflänge von 1637 Meter. Das reicht locker für ein schönes Pullover Projekt. Irgendwann, denn eigentlich liebe ich diesen Vorgang, des Waschens, Kardierens und Spinnens am meisten.

 

Ich hoffe, ich konnte euch animieren es auch einmal zu versuchen.

Mein Vlies stammt von Fernhill Fibre, einen Schafzuchbetrieb aus dem Süden Englands.

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